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Therapie von Patienten mit Phenylketonurie
Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische
Stoffwechselstörungen (APS) bestehend aus: H. J. Bremer, P. Bührdel,
P. Burgard, P. C. Clemens, D. Leupold, E. Mönch, H. Przyrembel, F. K.
Trefz, und K. Ullrich (Sprecher der Arbeitsgruppe)
Im Auftrag der APS hat ein Expertengremium, bestehend aus den oben
genannten Autoren, die nachfolgenden Behandlungsrichtlinien für
Phenylketonurie erarbeitet. Die Empfehlung bezieht sich ausschließlich auf
Patienten mit verminderter Aktivität der Phenylalaninhydroxylase. Sie
beinhaltet keine Angaben zur Behandlung von Patienten mit maternaler
Hyperphenylalaninaemie. Das Expertengremium ist der Meinung, daß eine
striktere Behandlung der Patienten, unabhängig von der hier
ausgesprochenen Empfehlung, erfolgen muß, wenn Leistungsfähigkeit und/oder
Verhalten der Patienten dies aus ärztlicher Sicht notwendig erscheinen
lassen. Die Ergebnisse internationaler Studien zeigen, daß
frühbehandelte Patienten (Behandlungsbeginn kleiner als 8 Wochen) mit
Serum - Phenylalaninwerten von 0,7 bis 4 mg/dl bis zum 10. Lebensjahr eine
normale intellektuelle und motorische Entwicklung bis in das 3.
Lebensjahrzehnt aufweisen. Eine Diätbeendigung zwischen dem 6. bis zum 10.
Lebensjahr führt zu keinem Verlust an intellektuellen Fähigkeiten oder
aufteten neurologischer Symptome. Widersprüchliche Befunde liegen vor, ob
die Diätbeendigung zu diesem Zeitpunkt mit einer nachfolgenden Häufung an
Schulproblemen und/oder Verhaltensauffäligkeiten verbunden ist. Die
klinische Relevanz der i. a. mit Serum - Phenylkonzentration unter 10
mg/dl auftretenden Veränderungen der Gehirnstruktur (MRI), von
Reaktionszeiten und Liquorkonzentrationen von Neurotransmittern bleibt
unklar, so daß aus den entsprechenden Untersuchungen keine
Therapieempfehlungen ableitbar sind. Basierend auf diesen Daten empfiehlt
die Expertenkommision die nachfolgend aufgeführte diätetische Einstellung
von Patienten mit Phenylketonurie.
Tabelle 1
Häufigkeit laborchemischer und klinischer Untersuchungen
|
Alter (Jahre) |
Laboruntersuchungen |
Klinische Untersuchungen |
|
jünger als 1 |
alle 1-2 Wochen |
alle 3 Monate |
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1-9 |
alle 2-4 Wochen |
alle 3-6 Monate |
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10-15 |
alle 4 Wochen |
alle 6 Monate |
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älter als 15 |
alle 2-3 Monate |
alle 6-12 Monate |
Die jetzige Empfehlung weicht für Patienten unter 16 Jahren erheblich
von der vorausgehenden Empfehlung ab (Monatsschr. Kinderheilk. 138 (1990)
636. Da für Patienten über 16 Jahren keine Daten für eine Empfehlung von
Phenylalaningrenzwerten existieren, wurde die alte Empfehlung der APS
übernommen. Empfohlene diätetische Einstellung für Patienten mit
Phenylketonurie:
a) 1. - 10- Lebensjahr: Serum - Phenylalaninkonzentration von 0,7 - 4
mg/dl. Anhaltend niedrigere Werte als 0,7mg/dl sollten vermieden werden,
da sie sich negativ auf die intellektuelle Entwicklung auswirken könnten.
b) 11. - 16. Lebensjahr: Serum - Phenylalaninkonzentration von 0,7 - 15
mg/dl. Aufgrund widersprüchlicher Befunde über eine mögliche
Beeinträchtigung schulischer Leistungen und zum Auftreten von
Verhaltensauffälligkeiten wird bei noch nicht abgeschlossener
Hirnentwicklung auch nach dem 10. Lebensjahr eine Fortführung der Diät
empfohlenen.
c) 16. Lebensjahr und älter: Serum - Phenylalaninkonzentration kleiner
als 20 mg/dl. Bei nachweisbaren neurologischen Symptomen und/oder
Verhaltensauffälligkeiten sollte durch striktere Diätführung versucht
werden, eine Rückbildung der Symptome zu erreichen.
d) Patienten mit persistierender Hyperphenylalaninaemie (Serum -
Phenylalaninspiegel unter 10mg/dl unter freier Kost) bedürfen keiner
diäetetischen Behandlung.
Die empfohlene Häufigkeit laborchemischer und klinischer Untersuchungen
ist der Tabelle
1 zu entnehmen. Bei inadaequater diätetischer Einstellung sind
häufigere Kontrollen der Serumphenylalaninkonzentration notwendig. Um die
unklare Behandlungsindikation vor allem bei erwachsenen Patienten
zukünftig beantworten zu können, sollten bei diesen, auch im Falle einer
Diätbeendigung, regelmäßige Kontrollen der Serum - Phenylalaninspiegel
sowie Nachuntersuchungen mit Messungen kognitiver und neuropsychologischer
Leistungen erfolgen. Die wissentschaftliche Begründung dieser Empfehlung
erfolgt in einer gesonderten Publikation.
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